Freiheit!

Dana Grigorcea kuratiert das Literaturfest München 2026

Freiheit ist in aller Munde, der Hashtag unserer Zeit, auf globaler, auf individueller Ebene. Kaum ein Wert wird so leidenschaftlich beschworen, so heftig verteidigt, so oft missbraucht. Freiheit ist politisch und persönlich, heroisch und versonnen, eine Errungenschaft und ein fortwährendes Bestreben.

In einer Zeit, in der sich Grenzen wieder schließen, autoritäre Machtsysteme Zulauf bekommen und die Zivilgesellschaft unter Druck gerät, vertrauen wir auch auf die Kunst als Ort der Erneuerung. Wir glauben an ihre Fähigkeit, unsere Wahrnehmung zu schärfen, uns die Komplexität aushalten zu lassen. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Prozess, der täglich neu beschrieben, ausgehandelt und verteidigt werden muss.

Zum ersten Mal öffnet sich das Literaturfest zur Musik und er weitert den literarischen Raum um Klang und Gesang. Im Konzertabend »Freedom Is a Verb« etwa begreift Daniel Kahn in seinen Klezmer-Liedern die Freiheit als gemeinsames Handeln. Die Oper wird als opulente Kunstform, mit dem Hauptthema »Freiheitsdrang«, vom Philosophen und Opernliebhaber Peter Sloterdijk neu befragt.
Wie befreiend es sein kann, zwischen den Sprachen zu wechseln, erleben wir am Beispiel der britisch-ghanaischdeutschen Star-Autorin Sharon Dodua Otoo. Und welche ungeahnten Möglichkeiten bieten uns moderne Klassiker wie Thomas Mann oder Kafka, sobald sie »gemeinfrei« werden?

Freiheit ist kein Zustand der Ruhe. Sie ist Bewegung, Streit, lebhafte Imagination. Sie entsteht dort, wo Menschen sich einmischen, wo Sprache nicht einfach nur gehorcht, wo Kunst nicht ornamental bleibt.

Dieses Festival lädt dazu ein, Freiheit nicht festzuschreiben – sondern sie gemeinsam zu denken – und zu feiern.

Dana Grigorcea © Gabi Hirit