Rückschau

Das Jubiläums-Literaturfest zieht Bilanz

"Bücher müssen an deine Haut gebunden sein, ein Zeichen setzen, Antworten einfordern."
(Mircea Cărtărescu, Literaturfest München)

Mit dem Markt der unabhängigen Verlage „Andere Bücher braucht das Land“ im Literaturhaus und einer Diskussion im Gasteig über das Motto der 60. Münchner Bücherschau „Das schöne Mysterium“ zwischen der Schriftstellerin Nora Bossong und dem Philosophen Albert Kitzler endete am 1. Dezember das 10. Literaturfest München. Drei Wochen lang bot das Festival über 85 Lesungen und Diskussionen, 10 Buch- und Fotoausstellungen, Schreib- und Kreativ-Werkstätten für Kinder und Jugendliche sowie ein breites Schulklassenprogramm. Zudem wurde der Geschwister-Scholl-Preis an den in der Türkei in Haft sitzenden Schriftsteller Ahmet Altan verliehen.

„Beim Literaturfest 2019 standen Fragen zu Demokratie und Freiheit im Vordergrund, insbesondere beim forum:autoren. Ahmet Altan, der mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde, hat uns aus dem Gefängnis Mut zugesprochen, uns für diese Werte aktiv einzusetzen. Das hat mich persönlich sehr beeindruckt und wird noch lange nachwirken“, so Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München.

Insgesamt waren beim 10. Literaturfest München rund 21.000 Besucher_innen zu Gast, die Ausstellung der 60. Münchner Bücherschau zog rund 170.000 Interessierte an.

2019 stand das Literaturfest München im Zeichen großer Jubiläen. Zum 10. Mal wurde das gemeinsam mit dem Literaturhaus entwickelte und durch großes öffentliches Interesse begleitete forum:autoren von einem prominenten Schriftsteller gestaltet: Ingo Schulze lud über 40 internationale Autor_innen ein, um unter dem Motto „Einübungen ins Paradies. Fragen an die Welt nach 1989“ über ihre Sicht auf die Folgen des Mauerfalls zu diskutieren.

Literaturfest-Geschäftsführerin Tanja Graf vertiefte das Thema mit der Vorstellung herausragender Neuerscheinungen über „Umbrüche“ beim Festprogramm des Literaturhauses, dessen Abende nahezu sämtlich ausverkauft waren. Bemerkenswert zudem war die hohe Konzentration international renommierter Comic-Künstler_innen wie Riad Sattouf mit seiner erfolgreichen Serie „Der Araber von morgen“, Ken Krimstein mit der bereits im New Yorker und Wall Street Journal erschienenen Graphic Novel über Hannah Arendt oder mit den renommierten Illustratorinnen Barbara Yelin und Franziska Neubert beim Markt der unabhängigen Verlage „Andere Bücher braucht das Land“. Mit seinem vielfältigen Angebot, einer Verlegerrunde zum Thema „Wir sind unverzichtbar!“ über die Wichtigkeit unabhängiger Verlage sowie zahlreichen Signier- und Sprechstunden von Autor_innen und Illustrator_innen, erzielte der Büchermarkt 2019 einen markanten Publikumszuwachs.

Die 60. Münchner Bücherschau präsentierte die gesamte Festivalzeit über 20.000 Neuerscheinungen im Münchner Gasteig, begleitet durch ein tägliches Rahmenprogramm: In der von Kurator Thomas Kraft entwickelten Reihe „Das schöne Mysterium“ traten unter anderem Raoul Schrott, Katerina Poladjan, Ilija Trojanow, Jan-Philipp Sendker, Julia Finkernagel, Sten Nadolny, Matthias Politycki, Heinrich Steinfest und Hanns-Josef Ortheil auf, die Meeresbiologin Frauke Bagusche, die Astronautin Samantha Cristoforetti, die Abenteurer Achill und Aaron Moser sowie die Wissenschaftler Alastair Bonnett und Harald Lesch.

Großen Anklang beim Publikum fand erneut der Bayern 2-Diwan: Inmitten der Buchausstellung nahmen ausgewählte Autor_innen auf dem Diwan Platz und stellten im Gespräch mit Bayern 2-Redakteur_innen ihre neuen Bücher vor, darunter Salman Rushdie, Ilija Trojanow, Lukas Bärfuss und Erhard Dietl.

Stark nachgefragt waren zudem die Veranstaltungen des Kinder- und Familienprogramms der Bücherschau: die Nachmittage mit Katja Brandis, Alexander Steffensmeier oder Sybille Hein. Die Social Media-Stars „die Lochis“ wurden von über 400 Fans mit Begeisterung gefeiert. Zum Literarischen Jugendquartett am letzten Samstag kamen rund 200 Interessierte, und Friseur Danny sorgte für besondere Zuhörererlebnisse, indem er Vorleser_innen gekonnt die Haare schnitt. Besonders freute Kuatorin Edith Offermann, dass ihre neue Reihe „Generation Z – Stimmen für junge Leser_innen“ gut ankam, darunter die Auftritte von Marah Woolf und von geflüchteten Jugendlichen des „Poetry Projects“, die mit ihren Gedichten aufrüttelnde Einblicke in ihr Leben gaben.

Zum 40. Mal zeichnete der Geschwister-Scholl-Preis ein Buch aus, das von geistiger Unabhängigkeit und intellektuellem Mut zeugt. Geehrt wurde Ahmet Altan für „Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis“. Aus dem Türkischen von Ute Birgi-Knellessen (S. Fischer Verlag 2018). Der Autor erhielt die Auszeichnung in Abwesenheit, da er nach wie vor in der Türkei in Haft ist. Altans Dankesrede verlas seine enge Vertraute, die Journalistin und Autorin Yasemin Congar. Diese Rede und die Laudatio von Christiane Schlötzer-Scotland, Auslandskorrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Istanbul, sowie die Ansprachen der Stifter können auf der Internetseite des Geschwister-Scholl-Preises nachgelesen werden.

Das 10. Literaturfest München (13.11.-01.12.2019) wurde veranstaltet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. und dem Literaturhaus München in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Ein herzlicher Dank gilt den Förderern und Sponsoren des Literaturfests München: dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, PwC, der Münchner Bank und Elly Seidl sowie den Medienpartnern Bayern 2 und Capriccio!


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