Schönes Babel. Europäische Lektüren

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Im Zentrum des forum:autoren 2018 steht die sprachliche Vielfalt unseres Kontinents. Dabei setzt Jan Wagner Europa keinesfalls mit den Unionsstaaten gleich, sondern begreift es in „weiterem geografischen und kulturellen Sinne, auch die Ukraine und Russland umfassend“.

Ein Augenmerk liegt auf dem Vereinigten Königreich: Gäste aus England, Schottland und Irland lesen Prosa, Poesie und kommen – auch angesichts des für März 2019 geplanten Brexits – miteinan- der ins Gespräch. In drei großen Lyriknächten fächert Wagner die vielfältige zeitgenössische europäische Dichtung auf und bietet zudem kleinen Sprachen wie Ladinisch, Sorbisch oder irischem Gälisch ein eigenes Podium. Dabei lesen die Autorinnen und Autoren ihre Originalwerke, der deutsche Text wird parallel projiziert. Auch die Kunst der Übersetzung bekommt eine Stimme – der literarische Transfer von Sprache zu Sprache sowie zu Film.

Der ideale Raum zum kreativen Spiel mit babylonischer Sprachverwirrung findet sich indes gleich um die Ecke vom Literaturhaus München: In nächtlichen Séancen mit Substanzen treten Literatur, Musik und Schnaps in Dialog.

„An einem Punkt der europäischen Geschichte, an dem erneut nationalistisches Denken und nationaler Dünkel an Einfluss gewinnen, an dem separatistische Strömungen erstarken, auf regionaler und nationaler Ebene die Versuchung wächst, sich von der europäischen Gemeinschaft zu lösen, ist es an der Zeit, in der Literatur und in den Künsten über die uns verbindenden Ideen nachzudenken“, sagt Jan Wagner, „und vor allem den Reichtum auszustellen, der, bei allen Widersprüchen, Schwierigkeiten und Differenzen, erst durch das Mit-, nicht durch das Gegeneinander sichtbar wird.“ #schönesbabel

Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 als Lyriker, Essayist, Publizist und Übersetzer englischsprachiger Lyrik in Berlin. Auf Probebohrung im Himmel (2001) folgten zahlreiche weitere Gedicht- sowie Essaybände, darunter jüngst Die Live Butterfly Show und Der verschlossene Raum. Beiläufige Prosa. Für sein in über dreißig Sprachen übersetztes Werk erhielt er u. a. den Preis der Leipziger Buchmesse (2015) und den Georg-Büchner-Preis (2017). Jan Wagner ist Mitglied der Deutschen Akademie für Spra- che und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, der Freien Akademie der Künste in Hamburg sowie des P.E.N.-Zentrums Deutschland.