forum:autoren

Kurator 2019 Ingo Schulze

Einübungen ins Paradies. Fragen an die Welt nach 1989

#dieweltnach89

Zum zehnjährigen Jubiläum des forum:autoren lenkt Ingo Schulze unser Interesse auf die Folgen des Umbruchs von 1989 in unserer heutigen Welt und unternimmt gemeinsam mit seinen Gästen eine imaginäre Weltreise. „Vor allem durch Literatur können wir besser erkennen, in welcher Zeit wir leben“, so der Kurator. Um zu erkunden, wie sich 1989 in anderen Ländern vollzogen hat und welche neuen Selbstverständlichkeiten entstanden sind, lädt Ingo Schulze Autor_innen und Intellektuelle aus aller Welt ein. An verschiedenen Abenden lesen sie sowohl aus ihren Werken wie auch aus speziell für dieses Festival verfassten Texten. Am Wochenende findet ein vierteiliges Symposion statt. So ergibt sich über mehrere Tage die Gelegenheit zu verschiedentlichem Gedankenaustausch mit wechselnden Teilnehmer_innen auf der Bühne.

Nachmittags lesen Gäste des forum:autoren an ausgewählten Orten wie dem Kinderprojekt Arche, dem Münchenstift oder dem Theateratelier für Menschen mit psychosozialen Schwierigkeiten fürs dortige Publikum. Und am Samstag, den 16. November steigt das große Jubiläumsfest Books for Future in der Muffathalle mit Autor_innen des diesjährigen, Kurator_innen früherer forum:autoren und Musik von Konnexion Balkon.

Zum Finale am Samstag, den 23. November fragt Ingo Schulze zusammen mit der Abendzeitung das Münchner Publikum sowie hiesige Schriftsteller_innen nach ihren ganz persönlichen Gedanken zu 1989 und dessen Folgen: „Bei uns in München hat sich doch nichts verändert! Oder doch?“

Unterwegs in München

Ingo Schulzes Frage, wie sich die Welt nach 1989 verändert hat, bezieht sich auch auf literarische Welten: Was wird heutzutage dort verhandelt – und was nicht. Wer fühlt sich von Literatur angesprochen – und wer nicht. Wem fällt es schwer, in eine literarische Veranstaltung zu gehen?

Eine der Grundideen des Kurators ist es daher, mit dem forum:autoren 2019 auch Münchnerinnen und Münchner zu erreichen, die vielleicht nur unter Schwierigkeiten am Literaturfest teilnehmen könnten.

So besuchen nachmittags einige Schriftsteller_innen verschiedene Einrichtungen und Institutionen:
Manja Präkels liest bei dem Kinderprojekt Arche aus ihrem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichneten Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß; Marion Brasch präsentiert im Münchenstift ihren Familienroman Ab jetzt ist Ruhe. Und Frank Witzel hat hat für seine Uneigentliche Verzweiflung, so der Titel des Metaphysischen Tagebuchs, das Theateratelier München gewählt, einen Treffpunkt für Menschen mit kreativen Interessen und psychosozialen Schwierigkeiten.

Unterwegs in München ist auch der Kurator selbst: Ingo Schulze liest mit Dževad Karahasan in der Frauenabteilung der JVA Stadelheim und begleitet mit Aleš Šteger eine vom Zeitungsprojekt BISS initiierte Führung. Dabei geht es unter dem Motto Literaturfest mit BISS durch die andere Seite der Stadt – bis hin zum Mausoleum des BISS-Förderers Rudolph Moshammer.

Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, lebt seit 1993 in Berlin. Er studierte klassische Philologie und Germanistik in Jena, arbeitete als Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. 1995 debütierte er mit dem Erzählungsband 33 Augenblicke des Glücks, auf den 1998 der Roman Simple Storys folgte. Zu den weiteren Veröffentlichungen zählen sein Opus magnum Neue Leben (2005), Adam und Evelyn (2008, 2019 als Film), das Künstlerbuch Einübung ins Paradies (2016) und der Schelmenroman Peter Holtz (2017). Für sein in 30 Sprachen übersetztes Werk erhielt Schulze u. a. den Joseph-Breitbach-Preis, den Premio Grinzane Cavour, den Bertolt-Brecht-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse und den Peter-Weiss-Preis.

(Foto Ingo Schulze: ©Gaby Gerster)