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Warum lesen?

„Das Lesen hat bekanntlich schon viele Gemüter verdorben, zum Beispiel das der Emma Bovary, die aber nur lesend anzutreffen ist“, sagt Elke Schmitter. „Die schöne Frau besteht allein aus Buchstaben, und da ist alles drin: Schwärmerei und Sehnsucht, der Traum vom besseren Leben und die liebliche Natur, der man beim Lesen – anders als beim Crossdriven und ähnlichen Schändlichkeiten – keinerlei Gewalt antut.“

Elke Schmitter kuratierte 2016 das forum:autoren unter dem wunderbaren Motto „ein wort gibt das andere“. Zusammen mit weiteren früheren Kurator_innen war die Schriftstellerin und Spiegel-Autorin bei der Jubiläumsparty Books for Future - 10 Jahre Literaturfest München zu Gast. „Warum lesen?“ – Diese brandheiße Frage beantworteten Albert Ostermaier, Dagmar Leupold, Doris Dörrie, Matthias Politycki sowie Ingo Schulze am Samstag, den 16. November 2019 in der Muffathalle in kurzen Statements.

„Vielleicht lese ich, um mit Erfahrungen nicht allein zu bleiben“, sagte der aktuelle Kurator Ingo Schulze. „Dort, wo die Begriffe aufhören, beginnen die Geschichten. Ich brauche Geschichten, um mir die Welt zu erklären und mich anderen und mir selbst. Zu lesen ist letztlich ein Bedürfnis wie Trinken und Essen.“ Für Albert Ostermaier ist „Lesen die Vorbedingung des Schreibens“. Die Vorbedingung für ebendas – also das Schreiben – ist Doris Dörrie zufolge, das Leben bewusst wahrzunehmen: Leben, schreiben, atmen heißt ihr Buch, das auf einzigartige Weise Autobiografisches mit kreativen Schreibanleitungen mischt.

Books for Future – 10 Jahre Literaturfest München mischte indes die Kunstformen: So stiftete uns auch der Slam-Poet Bas Böttcher zum Lesen an, der kongolesische Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila komponiert seine Texte wie ein Jazzmusiker eine Partitur, und Konnexion Balkon, die in München beheimatete „beste Straßenmusikband der Welt“ mixte Jazz mit Klassik, Pop, Rock und weiteren Musikstilen.

Ergänzt wurde Books for Future vom Salon der Münchner Verlage im Literaturhaus – also derjenigen, die sicherstellen, dass uns die guten Lektüren niemals ausgehen. Zwischen 19. und 28. November luden die Verleger_innen von dtv, C.H.Beck, Hanser, Piper, Kunstmann und Penguin an sechs Abenden in die Brasserie OskarMaria im Erdgeschoss.

Jeweils ab 22 Uhr präsentierte sich der jeweilige Verlag dort sozusagen in Wort, Schrift und Bild: mit kurzen Ansprachen, Leseproben, Infomaterial und Give-aways. Vor allem aber hatten Sie die Möglichkeit, hier in direkten Kontakt zu den Autor_innen dieses Verlags sowie weiteren Gästen auf dem Literaturfest zu kommen.

Beherzigen Sie bis zum nächsten Literaturfest Elke Schmitters Aufruf: „Lest Leute, lest! Lasst euch verderben und verführen und vervielfacht eure Welt mit dem zartesten ökologischen Fußabdruck, den es neben dem Träumen gibt!“

(Text: Tina Rausch; Fotos: Konnexion Balkon ©Christian P. Schmieder; Salon ©Catharina Hess; Brigitte Hobmeier ©Juliana Krohn)


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