Artikel

Warum lesen?

Heute hat die Frankfurter Buchmesse eröffnet: Bis einschließlich Sonntag werden in den Messehallen, aber auch in der gesamten Stadt literarische Trends präsentiert, Perspektiven diskutiert, neue Bücher und deren Autor_innen vorgestellt. All das gibt es im November auch beim Literaturfest München – und zwar zweieinhalb Wochen lang.

„Das Lesen hat bekanntlich schon viele Gemüter verdorben, zum Beispiel das der Emma Bovary, die aber nur lesend anzutreffen ist“, sagt Elke Schmitter. „Die schöne Frau besteht allein aus Buchstaben, und da ist alles drin: Schwärmerei und Sehnsucht, der Traum vom besseren Leben und die liebliche Natur, der man beim Lesen – anders als beim Crossdriven und ähnlichen Schändlichkeiten – keinerlei Gewalt antut.“

Elke Schmitter kuratierte 2016 das forum:autoren unter dem wunderbaren Motto „ein wort gibt das andere“. Zusammen mit weiteren früheren Kurator_innen ist die Schriftstellerin und Spiegel-Autorin bei der Jubiläumsparty Books for Future - 10 Jahre Literaturfest München zu Gast. „Warum lesen?“ – Diese brandheiße Frage beantworten Albert Ostermaier, Dagmar Leupold, Doris Dörrie, Matthias Politycki sowie Ingo Schulze am Samstag, den 16. November in der Muffathalle in kurzen Statements.

„Vielleicht lese ich, um mit Erfahrungen nicht allein zu bleiben“, sagt der diesjährige Kurator Ingo Schulze. „Dort, wo die Begriffe aufhören, beginnen die Geschichten. Ich brauche Geschichten, um mir die Welt zu erklären und mich anderen und mir selbst. Zu lesen ist letztlich ein Bedürfnis wie Trinken und Essen.“ Für Albert Ostermaier ist „Lesen die Vorbedingung des Schreibens“. Die Vorbedingung für ebendas – also das Schreiben – ist Doris Dörrie zufolge, das Leben bewusst wahrzunehmen: Leben, schreiben, atmen heißt ihr neues Buch, das auf einzigartige Weise Autobiografisches mit kreativen Schreibanleitungen mischt.

Books for Future – 10 Jahre Literaturfest München mischt indes die Kunstformen: So stiftet uns auch der Slam-Poet Bas Böttcher zum Lesen an, der kongolesische Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila komponiert seine Texte wie ein Jazzmusiker eine Partitur, und Konnexion Balkon, die in München beheimatete „beste Straßenmusikband der Welt“ mixt Jazz mit Klassik, Pop, Rock und weiteren Musikstilen. Feiern Sie mit – der Eintritt ist frei!

Ergänzt wird Books for Future vom Salon der Münchner Verlage im Literaturhaus – also derjenigen, die sicherstellen, dass uns die guten Lektüren niemals ausgehen. Zwischen 19. und 28. November laden die Verleger_innen von dtv, C.H.Beck, Hanser, Piper, Kunstmann und Penguin an sechs Abenden in die Brasserie OskarMaria im Erdgeschoss.

Jeweils ab 22 Uhr präsentiert sich der jeweilige Verlag dort sozusagen in Wort, Schrift und Bild: mit kurzen Ansprachen, Leseproben, Infomaterial und Give-aways. Vor allem aber haben Sie die Möglichkeit, hier in direkten Kontakt zu den Autor_innen dieses Verlags sowie weiteren Gästen auf dem Literaturfest zu kommen. Die genauen Termine finden Sie hier.

Ein paar Wochen dauert es noch – am besten beherzigen Sie bis dahin Elke Schmitters Aufruf: „Lest Leute, lest! Lasst euch verderben und verführen und vervielfacht eure Welt mit dem zartesten ökologischen Fußabdruck, den es neben dem Träumen gibt!“

(Text: Tina Rausch; Fotos: Konnexion Balkon ©Christian P. Schmieder; Salon ©Catharina Hess; Brigitte Hobmeier ©Juliana Krohn)


Teilen: