Alles Echt. Alles Fiktion

/ Kalender forum:autoren 2017
/ Filme lesen

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Paul Watzlawicks vierzig Jahre alte Frage ist im multimedialen Zeitalter so brisant wie nie zuvor. „Wir bewegen uns in einem Paradox“, meint Doris Dörrie. „Unsere Realität wird zunehmend fiktionalisiert, und gleichzeitig sehnen wir uns immer mehr nach dem Wahren, Echten. Das Dokumentarische boomt. Und kaum ist etwas tatsächlich geschehen, taucht es als fiktive Verarbeitung auf. Hauptsache, es ist eine gute Story. Das gilt für die Politik genauso wie für die Presse – und ganz besonders für die sich autobiografisch gebende Literatur.“

Wo also verlaufen die Grenzen zwischen Fakt, Fake und Fiktion? Was bedeuten in einer global vernetzten Welt, in der sich jeder neu erfinden kann, die eigenen Wurzeln? Dürfen sich Schriftsteller_innen die Erzählungen anderer aneignen? Hier setzt das von Doris Dörrie kuratierte, gemeinsam mit dem Literaturhaus entwickelte forum:autoren an. Alles Echt. Alles Fiktion beleuchtet das Spiel mit Imagination und Wirklichkeit: Internationale Gäste präsentieren ihre Auseinandersetzung mit Herkunft und dem eigenen Ich, mit Erfundenem und Realem. Ein Symposion diskutiert Lüge, Fiktion und Erinnerung, und die thematisch passende Reihe Filme lesen flankiert das forum:autoren mit Filmen und Gesprächen in der HFF. Das eigens eingerichtete Panoptikum im Literaturhaus verwandelt sich tags in eine Hörbar – und nachts zum literarisch-musikalischen Festivaltreff.

„Lassen Sie uns beim forum:autoren zusammen in einen lustvollen Wirbelsturm stürzen“, sagt Doris Dörrie: „Wer bin ich, wenn mir keiner zuschaut? Wie erinnere ich mich an mich selbst? Wie erfinde ich die Welt? Wie echt bin ich? Und was ist Fiktion?“ #echtfiktion

Doris Dörrie, in Hannover geboren, studierte Schauspiel und Theaterwissenschaften in den USA und Film an der HFF München, wo sie seit 1997 den Lehrstuhl Drehbuch/Creative Writing leitet. Ihr Werk umfasst über 30 Spiel- und Dokumentarfilme, über 20 Bücher und einige Operninszenierungen; ihr Film Grüße aus Fukushima (2016) bewegt sich wie zuvor schon Erleuchtung garantiert (2000) und Kirschblüten (2007) auf der Schnittstelle zwischen Doku und Fiktion, und ihr jüngster Roman Diebe und Vampire (2015) beleuchtet den literarischen Schaffensprozess. Doris Dörrie erhielt viele Filmpreise, den Deutschen Bücherpreis, zweimal das Bundesverdienstkreuz sowie 2002 den Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München.